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Thesis Journal #5 | Eindrücke vom 4. Quantified Self Meetup in der Berliner c-base Raumstation

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Der Post könnte auch ganz andere Überschriften haben, so voll von Eindrücken bin ich nach fünf Stunden in der c-base Raumstation in Berlin: dem Hackerspace Berlins, dem Gründungszentrum der Piratenpartei, dem Kreativzentraum aller „Raum“-Suchenden, dem real gewordenen, gelebten Science Fiction Traum von Galactica- und StarWars Fan. Was sich hier tummelt sind Gesprächspartner, die anders denken, die andere Fragen stellen und sich auf teilweise unbequeme, die Welt in Frage stellend verstörende Diskussionen einlassen.

Definitiv eine stark gewählte Location für die Meetups der QS-Bewegung, die selbst genauso quer zu einer Gesellschaft agiert, in der – gerade in Deutschland – viele nicht bereit sind, sich von Geräten beherrschen zu lassen oder „zum gläsernen“ Kunden“ zu werden. Datenschutzfragen lassen grüßen, Technologiehype hallo, … und dabei möchte ich mir nicht annähernd anmaßen greifen zu können, ob die c-base nun Kunst, Fiktion oder Realität ist. Ein fünf Jahre altes Selbstdarstellungsvideo der c-base habe ich hier gefunden:

Offizielle Homepage der c-base (http://www.c-base.org)/

Ich würde normalerweise sagen, dass die innerlichen Eindrücke und aufgeworfenen Fragen inhaltlich „wichtiger“ sind für diesen Blog, letztendlich sind sie aber so dermaßen nicht loszulösen von den äußerlichen Eindrücken, dass ich über diese zwei Zweige versuchen möchte, meinen Samstagabend in Berlin greifbar zu machen. So kriegt auch der Nicht-QS-Anhänger die Chance, sich ein Bild zu machen von einem QS-Meetup.

Oberflächlich äußerlich

Das Meetup: Fünf offiziell angemeldete Vorträge samt anschließenden Diskussionen. Fast 45 angemeldete, davon fast 30 erschienene Teilnehmer, ein Moderator, eine Videoaufzeichnung und ein anschließendes offenes Networking bei Bier, Flora-Power und Club-Mate (deutsch ausgesprochen!).

Die Vorträge: Vorgestellt haben sich drei Self-Tracker (Richard Spindler, Christian Kleinadam und Marc Schumann) und ihre Erfahrungen mit Self-Tracking Experimenten, sowie zwei StartUps (Archify und WATTlive). Der komplette Abend wurde aufgezeichnet.  Sobald ich den Link in die Finger kriege, werde ich ihn hier gerne noch posten. Das Programm nachlesen lässt sich hier.

Die Teilnehmer: Hier war alles dabei. Self-Tracker und Nicht-Self-Tracker, Studenten, Psychologen, Wissenschaftler, Arbeitnehmer, Selbstständige, StartUps, Fachfremde und Experten, Interne und Externe.

Die Location: Wie gesagt, die c-base Raumstation genießt Kultstatus, schreibt wahrscheinlich ein Stück deutsche Geschichte mit und ist für Journalisten angeblich offiziell nicht ganz zugänglich. Dafür gibt es trotzdem eine offizielle Pressemappe. Der Verein c-base Raumstation e.V. finanziert das Projekt und die heiligen Hallen komplett selbstständig; die Mitglieder sind von jung bis alt technisch versiert oder auch nur -interessiert, kreativ und gleichermaßen gesellschaftsoffen wie -quer. Eine kleine, spontane und private Führung nachts um elf für die Teilnehmer des QS-Meetups führte uns dann auch in die Keller und Werkstätten der c-base. Kruschteliger geht es nicht, klischeehaltig nerdiger irgendwie auch nicht.

Die technische Ausstattung: In der c-base Raumstation gibt es grundsätzlich nichts, was es nicht gibt. In den Räumlichkeiten konzentriert sich alles, was die letzten 30 Jahre an Hard- und Software auf dem Markt war. Vom Handflächen-Identifikations-Scanner über im Einsatz befindliche Atari-Computer bis hin zur quervernetzten und von jedermann überall steuerbarer Musik- und Lichtanlage waren natürlich drei (?) Beamer, Laptops und Aufzeichnungsgeräte weiß-gott-nicht weit. Wie bereits erwähnt, war ich mit meinem Notizbüchlein gegenüber all den iPads und sonstigen TabletPCs verdammt altmodisch.

Das Open Networking:  Bei Bier, Club-Mate und Flora-Power (Hackerbrausen! ;-)) konnte ich mich zu jedem Grüppchen dazustellen, wie ich dachte. Angefangen mit meinen Fragen, die ich an die Vortragenden gehabt hatte, waren die nächsten Gesprächspartner nie weit. Die Diskussionen selten richtig lenkbar, aber dafür immer umso spannender.

Innerlich tiefschürfend

Die fünf Stunden am Samstagabend in der c-base haben mir nicht nur neue Ideen, Eindrücke en masse und Kontakte verschafft, sondern mich auch zu fast existentiellen Fragen angeregt. Mein kleines lila Büchlein ist unsortiert voll davon.

  • Was motiviert einen Self-Tracker dazu sich einzugestehen, „er würde soziale Kontakte lieber meiden, um seine Self-Tracking Tätigkeiten/Experimente nicht ständig rechtfertigen, erklären und gefährden zu müssen“?
  • Ist Quantified Self eine sich neu-entwickelnde Therapieform für Alternativen-Suchende? Eine Flucht in Zahlen, statt in Medikamente oder in klassisch psychotherapeutische Ansätze? Sich selber helfen mit Quantified Self? Doch biomedicalization 2.0?
  • Verlieren Self-Tracker durch zu viel Self-Tracking –  sprich durch zu viel Selbsterkenntnis – letztendlich ihre instinktive Selbstkenntnis, weil sie sich so sehr auf Zahlen und äußere Angaben verlassen?
  • Warum will sich ein Self-Tracker zukunftsgerichtet optimieren, wenn er das Meinungsbild vertritt, in der nächsten Sekunde sowieso nicht mehr der gleiche Mensch zu sein, der er jetzt ist?
  • Sind Quantified Self Motivationen in allen Ländern bzw. Kulturen gleichermaßen etablierbar?
  • Verhilft das Self-Tracking dazu die Extrema zu identifizieren, an deren Höhepunkten Handlungsspielraum besteht?
  • Bringt die Extreme das Interessante?

Von den spezifischen Fragen für meine Bachelorarbeit konnte ich zum Glück einige stellen. Sobald sie sortiert sind, gibt es die erste Version eines ausführlichen Fragenkatalogs für die Umfrage. Und zu guter Letzt fällt mir nur noch ein zu sagen, dass ich um ehrlich zu sein hoffe die Chance zu haben, noch ein weiteres Meetup während meiner Bachelorarbeitsbearbeitungsphase mitnehmen zu können. ;-)

5 Kommentare

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  2. Sehr interessanter Artikel, ich bin relativ neu in diesem Umfeld, finde es aber recht spannend sich selbst zu erforschen und neue Erkenntnisse herauszufinden …..

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