vermessen leben

Thesis Journal #17 | Rädchen drehen

| 1 Kommentar

ZahnrädchenFestgestellt: habe ich, dass ich nichts selbst vermessen muss. Ich fühle, dass ich genau jetzt an einem Punkt bin, an dem sich zu viele Rädchen gleichzeitig drehen, die mich schrecklich unsortiert fühlen lassen. So unsortiert, dass ich kein Quäntchen Zeit mehr hätte, auch noch zu vermessen, wie sehr und schnell sie sich drehen.

Vollbepackt: bin ich zugegebenermaßen aber auch einfach gerade mit der Arbeit in meinem Nebenjob. Wochenendarbeit gar! Damit in zwei Wochen ein neues Produkt released werden kann und dem parallelen Launch der neuen Webseite nichts im Weg steht.

Digitalisiert: ist er schon, mein Fragebogen. Er muss noch auf Niet- und Nagelfestigkeit getestet werden. Die Rumdokterei an den kleinen Feinheiten kostet mich gefühlt übrigens viel mehr Kraft als die großen, durchgeheizten Nachtschichtblöcke. Wenn ich nicht gefragt werde, ob und was ich selbst vermessen würde, werden mir übrigens witzige Vorschläge unterbreitet, was ich denn einmal selbst vermessen könnte: z.B. wie lange meine Aufmerksamkeitsspanne beim Fußballgucken durchschnittlich ausfallen würde.

Richtig verrückt: ist ein Fragenbogen von Jeff Fajans (Positive Psychology Student an der Claremont Graduate University in Los Angeles),  der mir heute zugespielt wurde. Zugegebenermaßen hat sich meine erste typische Freude heute Morgen über “Quantified Self: An Exploratory Study of Individual Differences“ bis heute Abend in verzweifelte Unsicherheit gewandelt.

Es ist wundersam faszinierend in Jeff wahrscheinlich einen Mitstreiter gefunden zu haben, der Ahnung vom Fach hat und auf meine enthusiastische E-Mail innerhalb einer Stunde ebenso begeistert antwortete (samt all seiner gefundenen Quellen und Paper im Anhang…), und schrecklich deprimierend gleichzeitig, dass ich selbst keine Psychologie-Studentin bin, bei weitem nicht so viel zurück geben kann und die Validität meiner Fragen einmal mehr hinterfrage. Ausgerechnet „Positive Psychologie„, denke ich mir die ganze Zeit. Eine Richtung, die wie die Faust aufs Auge zu dem passt, was ich in letzter Zeit alles an Papern gelesen habe. Warum ist mir dieses Schlagwort jetzt erst über die Weg gelaufen?

Wissenschaftliches: Arbeiten macht mir Spaß. Das merke ich seit einem halben Jahr;  seitdem ich mich dank|mittels|zwecks wissenschaftlicher Arbeit mit einem Thema beschäftigen „darf“, das mich brennend selbst interessiert. Aber aktuell verstehe ich auch zum ersten Mal, warum man für eine Promotion drei Jahre braucht oder für eine Masterarbeit immerhin ein halbes Jahr. Und warum eine Bachelorarbeit dagegen sogar von den Betreuern und Professoren selbst belächelt wird – in den drei Monaten kann man wissenschaftliches Arbeiten allenfalls simulieren und ein Gefühl dafür wecken. Wie soll es einem gelingen in alle Untiefen einer Materie in vier, sechs, acht Wochen wirklich einzusteigen, wenn einem selbst offensichtliche Schlagworte erst auf halber Zielgerade in die Hände gespielt werden?

 

Ein Kommentar

  1. Pingback: Fundstück: Noch mehr Butter im Kaffee und David Asprey | vermessen leben

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.