vermessen leben

QS Meetup Berlin, Klappe die II.

| Keine Kommentare

Vergleichbar war meine zweite Quantified Self Meetup Erfahrung nur bedingt mit dem ersten Meetup-Rausch. Aber die Faszination für den ersten verrückten Abend in der c-base Raumstation war auch nicht zu übertreffen. Das jüngste Treffen ist jetzt schon fast eine Woche her, aber da ich bis heute bis unter die Hutkrempe mit Schreibarbeiten zugeknallt war, musste ich das Bloggen prioritär weit hinten anstellen. Verdammt Schade – immerhin ist das einzige Geschreibsel, was ich momentan wirklich „komplett für mich“ betreibe.

Wenn ich von Karlsruhe für 48h extra nach Berlin fahre, musste die Zugfahrt einfach schon ins Bild passen: Zwei gestandene Geschäftsmänner die sich von Karlsruhe bisFrankfurt kindlich über ihre neuen Smartphones samt Facebook und Whatsapp austauschten, eine ältere Dame von wahrscheinlich 75 Jahren, die mir von Frankfurt bis Hannover mit ihrem iPad, 17“-Laptop und Smartphone gegenüber saß und ihre extra mitgebrachte Steckdosenleiste mit mir teilte und zu guter letzt von Hannover nach Berlin dann auch noch ein Mädel, das mich mich zu interviewen begann, welche Texte ich denn so vertieft da auf meinem Laptop tippseln würde. Zugegebenermaßen fahre ich ziemlich gerne Bahn.

Nach einer Nacht auf einer 1,50m Couch verbrachte ich meinen Donnerstagmorgen dann frühstückend mit Florian Schumacher, einem der Organisatoren der The Berlin Quantified Self Meetup Group im hippen Berliner Café St. Oberholz. Zwei Tage später lief mir dann auch prompt dieser Artikel in der FAZ über den WEg: „Das Café „St. Oberholz“ in Berlin-Mitte gilt als geographisches Zentrum der digitalen Boheme. […] Du musst ins Oberholz, da hängen die alle rum.“ Ja, da hängen die wirklich alle rum. Wir waren um halb neun verabredet. Zu dem Zeitpunkt waren Erdgeschoss und erster Stock noch übersichtlich leer. Der Edelschick-Ramsch-Mix der Inneneinrichtung verschwand erst ab zehn Uhr hinter Reihen von Macbooks. Genau wie letztes Mal – mit meinem lila Büchlein, war ich also diesmal mit meinem ThinkPad Laptop so ziemlich vom Mond. Dazu Businessfrauen in feinen Kostümchen und gehackten Schuhen, Hippster-Brüder mit Bärten bis zu dem Punkt, an dem die Schlüsselbeine zusammenlaufen, Singles, Teams und Kunst-/Modedesign-/?-studentinnen, glaube ich. Zumindest skizzierte eine von ihnen vier Stunden lang  beeindruckende Kleiderentwürfe  – mit einer Buntstiftpalette, die ich so noch nicht gesehen habe, quer über einen der langen Tische des Cafés. In dieser Atmosphäre durfte ich dann bis zum späten Nachmittag an meinem Mini-Pitch für das Meetup abends feilen, dazugehörige Flyerchen und Slides entwerfen und einen ganzen Haufen Zeug für meinen Nebenjob wegtexten. Vor Nervosität war mir über den ganzen Nachmittag übrigens so übel, wie lange nicht mehr. Die Hippeligkeit und das flaue Gefühl im Bauch legten sich auch erst, als ich dann abends endlich auf einer der roten Sofas saß.

Voll in seinen Bann gezogen hat mich der erste Sprecher Steven Dean, der schon ein paar QS-Jahre mehr auf dem Buckel hat. Als Gründer und Organisator der Quantified Self Meetups in New York gehört er fast seit der ersten Stunde dazu und war mit auf den ersten kleinen Meetups in der Bay Area. Seinen bilderreichen  Foliensatz begleitete eine gekonnte Erzählung seiner Erfahrungen und Erkenntnisse mit Selbstvermessungen und QS (z.B. welche Aussagekraft sein morgendlicher Ruhepols auf sein Trainingsverhalten in Vorbereitung auf einen IronMan gewann). Sein Rundumschlag, was QS überhaupt ist, was es bedeuten und erreichen kann, bot einen perfekten Start für die vielen QS-Neulinge. Zu dem Treffen kam weit über 80 Teilnehmer, davon gut die Hälfte komplett neu akquiriert.

Von den zwei folgenden Sprechern fehlen mir etwas rudimentär einige Fakten – irgendwann war ich dann doch etwas unentspannt nur noch darauf konzentriert, den Einstieg in meinen Pitch durchzugehen, der zum Schluss dann aber doch noch glückte. Archivy war wieder dabei und die Abschlussrede von Meetup-Co-Organisator Peter umfasste einen Rundumschlag technischner Möglichkeiten zu Spaced-Repetition-Learning Ansätzen.

Für die absurde Atmosphäre war übrigens doch auch diesmal gesorgt: Ein Journalist des SPIEGELs und ein ganzes Kamera-Team der SAT1-Sendung Planetopia, die den Selbstvermesser Arne Tensfeldt portraitieren wird, ließen das Meetup stellenweise doch in einem verrückten Licht darstehen. Das Kameragewusel war schräg. Leider stellte sich erst nach dem Treffen bei einem Bierchen in der Oranienstraße heraus, dass der leitende Redakteur der Reportage aus meiner Heimat kam und zu allem Überdruss auch noch an der gleichen Schule sein Abitur geschrieben hatte – nur acht Jahre vor mir.

Genug jetzt wieder mit der Bloggerei. Sitze in der Bib und muss tunlichst an meine Bachelorarbeit …

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.